Ägypten Sinai 2007

Sunday, 30. September 2007
Die Turbinen heulten auf. Das Anschnallzeichen leuchtete auf und nach einigen Sekunden des Wartens presste uns die Schubkraft zurück in die bequem gepolsterten Sitze. Und dann wurde mir schlagartig bewusst, dass wir geradewegs in Richtung Tauchurlaub fliegen würden…

Lange schon hatte ich mich darauf gefreut mit meinen neuen Buddy Björn Kalbe Tauchen gehen zu können. Nach einigen hin und her entschieden wir uns dann, nicht zuletzt wegen des Geldes, nach Ägypten (Sinai) zu fliegen, um dort die faszinierende Unterwasserwelt zu entdecken. Gebucht hatten wir ein drei Sterne Hotel, südlich von Dahab- das „Happy Life Village“ Es war meiner Meinung nach in guten Zustand. Die Zimmer waren sauber und das Personal sehr freundlich, welches man von einigen Gästen weniger behaupten konnte. Täglich gab es ein anderes Büfett, das meist zu empfehlen war.

Das Hotel wird hauptsächlich von Osteuropäern gebucht, aber auch einige Deutsche waren anzutreffen. Dem Hotel ist eine Tauchschule mit Basis angeschlossen- die „Orca Divers“. Da die Preise arg überteuert waren (308€ für zehn Tauchgänge inklusive Equipment) fuhren wie mit dem kostenlosen Hotelshuttlebus in das etwa acht Kilometer entfernte Dahab, um dort die Preise für die Tauchschulen zuvergleichen. Eine lohnenswerte Überlegung ,wie sich letztendlich herausstellte.
Am Lighthouse (Strandpromenade in Dahab) suchten wir aufgrund von guten Berichten im Internet unter taucher.net eine Tauchbasis- fanden diese aber leider nicht, was dann im Nachhinein wohl auch besser so war. Nach langem hin und her entschieden wir uns für eine tschechische Tauchbasis.

Sofort wurde uns mit einen freundlichen Lächeln ein Rabatt von 20€ für das Zehnertauchpaket pro Person angeboten, den wir dankend annahmen. Damit lag der Preis bei 220€, wobei noch Fahrkosten anfallen. Ein Taxi wird von der Basis bestellt und kostest pro Fahrt sechs Euro (Hin- und Rückfahrt). Jedoch brauch man das Taxi bei geschickter Planung eher selten, da man das kostenlose Busshuttle vom Hotel nutzen kann.

Das Team der Tauchbasis besteht aus allen möglichen Nationalitäten, meist aus Osteuropa. Wir legten viel Wert auf einen deutschsprachigen Guide, der hier auch anzutreffen war. Er stammte aus Ungarn, lebte 15 Jahre lang in Deutschland und hieß Thomas. Das Briefing erfolgte ausführlich und genau. Durch ihn und die gute Ausrüstung/Wartung wurde ein sicheres Tauchen zu jeder Zeit gewährleistet. Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bei Thomas und den gesamten Team des Lighthouseses bedanken.
Ein weiterer Vorteil der Tauchbasis: es gibt einen kostenlosen Internetzugriff (Pc und W-Lan-Nutzung), sodass man auch im Urlaub seine Mails lesen und verschicken kann.
Nun zu unseren Tauchspots:
Unseren ersten Tauchgang (Checkdive) machten wir am Lighthouse, dem Hausriff der Basis, wobei wir hier auf eine Maximaltiefe von 16 Metern tauchten. Vorbei an dem Riff, welches an eine Steilwand mit Überhang erinnerte, ging es zum Umkehrpunkt. Zu sehen gab es neben unzähligen Korallen und Fischschwärme, einen Skorpionsfisch, der tödlich für Menschen ist sowie einen stattlichen Kofferfisch, der auf einer Koralle, die einem übergroßen Kohl ähnelte, lag. Auch einen kleineren Blaupunktrochen konnten wir beobachten.

Der zweite und dritte Tauchgang führte uns in Richtung Süden, nahe unserem Hotel. Hier betauchten wir zunächst „Moray garden“, wo wir wieder einen Kofferfisch zu sehen bekamen. Außerdem kamen wir in den Genuss eine junge Moräne anzutreffen.

Beim dritten Einstieg hatten wir auf den ersten Metern extrem schlechte Sicht, was nicht zuletzt am hohen Wellengang lag. Als wir dann jedoch tiefer runtergingen, wurde die Wasserqualität zunehmend besser. Wir tauchten an drei kreisartigen Riffen entlang, die sogenannten „Three Pools“. Trotz besserer Sicht sahen wir lediglich Annemonen. Zwei Feuerfische kreuzten unseren Weg. Dafür beeindruckte die Rifflandschaft umso mehr.

Zwei Tage später ging es nach Norden- zum „Canyon“, welcher eine Art tunnelförmige Felsformation auf etwa 30 Metern Tiefe ist. Da uns diese so faszinierte, betauchten wir den Spot gleich zweimal. Das Hereinscheinen der Sonnenstahlen in den „Canyon“ ist einfach unbeschreiblich.
Zurück ging es beim zweiten Tauchgang, an diesem Tag, über die „Bubble zone“. Dies ist eine Art überdimensionaler Whirlpool, der durch das Aufsteigen von Luftblasen der Taucher, die sich im „Canyon“ befinden, entsteht. Danach blieb uns ein wenig Zeit zum Relaxen. Typisch für diese Region sind die Beduinen-Lounges, die überall bei Tauch- und Badeplätzen anzutreffen sind. Das Strohdach schützt vor der stechenden Sonne und der Boden wird durch dicke Teppiche und Chillkissen zur idealen Erholungsstätte. Leichte Speisen und Getränke sowie der Schischaverleih versüßen den Aufenthalt, was dort jeder Taucher zu schätzen weiß.

Am darauffolgenden Tag folgte ein weiteres Highlight unseres Tauchurlaubs- die „Caves“. Der Einstieg ist nur bei ruhiger See zu empfehlen, da man sonst stark ans Riff gedrückt wird. Deshalb ist diese Tauchstelle eher nur den Erfahrarenen zu empfehlen. Bei uns gestaltete sich der Einstieg trotz mittleren Seeganges relativ einfach. Es geht dann runter auf einige wenige Meter, wo man einen Blick in die erste Höhle werfen kann. Anschließend taucht man an einer unregelmäßigen Rifflandschaft vorbei auf 25 bis 30 Metern Tiefe, wobei man auf einen sandigen Abhang trifft, der ins unendliche zu laufen scheint. Hier tummeln sich des öfteren Sandaale, die aus dem Boden herausragen. Ab jetzt steigt man wieder auf 15 bis 20 Meter und kommt zuletzt zur großen Höhle, die sich in etwa 5 Metern Wassertiefe befindet. Imposant sind die kleinen bunten Fischschwärme, die man in Rückenlage wunderbar verfolgen kann, wenn diese unter der Höhlendecke ungestört vorbei ziehen.

Nach ein paar tauchfreien Tagen ging es dann zum „Blue Hole“. Dieser Platz verdankt seine Namen der enormen Wassertiefe (bis 200 Meter) und dem damit entstehenden blauen Loch. Der Einstieg ist relativ easy, doch bis es dazu kommt ist ein Fußmarsch mit samt aller Ausrüstung zu bestreiten. Aber keine Angst, es sind nur 200 Meter. Ist man einmal im Wasser, taucht man direkt in einem zu einer Seite offnen Kamin hinab, auf 25 Meter. Nur ein paar Meter in der Tiefe entfernt ist der Kamin vollständig geschlossen. Ist dies gemeistert, folgt eine unendlichtief scheinende Seitenwand, die einen in die „deep blue see“ zu ziehen versucht. Das Raumgefühl wird aufgehoben, die Orientierungsmöglichkeit schwindet, einzig und allein der Tiefenmesser und der Kompass weisen einen den weg, sobald man sich von der Steilwand abwendet.
Nach dem ersten Einstieg geht’s dann am Riff entlang zum Parkplatz, wo die Flaschen gewechselt werden. In diesen Regionen fährt man üblicherweise mit Jeeps und Pickups zu den Tauchplätzen, da die schönsten Riffe direkt an der Küste liegen. Deshalb ist eine Fahrt mit dem Boot etwas Besonderes. Wieder im Wasser, schwimmt man mal mit oder ohne Strömung weiter nach Richtung Süden, um die andere Seite des „Blue Hole“ zu erkunden. Neben zahlreichen Fischschwärmen tummeln sich dort auch Meeresbarsche und mit etwas Glück sowie scharfen Augen erkennt man auch einen Tintenfisch.

Zwei Tauchgänge sollten uns den letzten Tag mit unseren Guide versüßen. Am Morgen ging es zu „El Gardens“. Danach blieben wir in der Stadt Dahab und vertrieben uns die Zeit, bis es Abend wurde, um dann endlich unseren Nachttauchgang am Hausriff „Lighthouse“ durchzuführen.
„El gardens“ war für mich persönlich einer der weniger interessanten Tauchgänge, denn anfangs ist man nur von Sand umgeben, in den sich Sandaale tummelten. Erst auf dem Rückweg kamen wir dann am eigentlichen Riff, das einem Garten ähnelte, vorbei. Die maximaltiefe betrug 12 Meter. Außerdem gab es Torpedofische zusehen und einen riesigen Feuerfisch. Steinfische waren ebenso anzutreffen. Der Ein- und Ausstieg sind recht schwer, da man bei Strömung schnell aufs Meer gezogen werden kann. Das Riff kann erst betaucht werden, wenn man die circa 250 Meter lange und einen Meter tiefe Rückseite des Riffes zurückgelegt hat.
Rückzu hat man nur als erfahrener Schwimmer eine Chance. Ansonsten kann der Ausstieg eine sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, die nicht gerade angenehm ist.

Dafür lohnte sich dann der zweite Tauchgang umso mehr. Abends um halb neun ging es ab ins Meer: zunächst mit ausgeschalteten Lampen, da man bei günstigen Mondstand noch genügend Licht zur Verfügung hat. Die erste zeit taucht man in „Natura“ am Riff entlang. Dabei sieht man leuchtende Teilchen und Partikel, die einen an den Sternenhimmel erinnern. Ich kam mir vor als wäre ich in eine andere Welt eingetaucht. Danach schalteten wir unsere Lampen ein. Mit dem eingeschaltetem Licht erkennt man in aller Deutlichkeit das Riff mit seinen Bewohnern. Überall begaben sich die Seeigel auf Wanderschaft und verließen ihre kleine Verstecke, wo sie am Tag geschützt sind vor ihren Feinden. Das Highlight war aber am Ende ein 1,5 Meter großer Kofferfisch- einfach genial! Zum Abschluss noch einmal die Lampen aus und Leuchtteilchen bewundern.
So endet nun unser Tauchurlaub- mit einem Lachen im Gesicht und den Kopf voll mit bezaubernden Naturbildern. Dieser Urlaub und das tolle Team vom Lighthouse wird für uns unvergessen bleiben. Nochmals herzlichen Dank an das Tauchteam und natürlich auch an unseren coolen Tauchguide Thomas, die uns dies alles ermöglichen konnten.

http://www.dahabdive.com

…die Musik von meinem Handy verstummte. Gerade noch konnte ich die Ansage des Kapitäns hören: „…wir setzen nun zur Landung an….“. Das Flugzeug vollführte nun Flugschleifen. Ich schaute meinen Freund an und er mich. Wir mussten grinsen. Denn wir freuten uns schon darauf unsere Unterwasserbilder im Photolabor entwickeln zu lassen, um sie dann ihren zuhausegebliebenen Freunden zu zeigen.

Vielen Dank an Björn, der an diesem Artikel sehr viel Anteil hatte. Danke auch für den tollen Urlaub mit dir.



Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Urhebers:
Marc Fuchs
http://www.meine-tauchwelt.de

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